Spin-offs & Patente 2025: Innovationskraft aus der Grundlagenforschung
Dank der Forschung der Universität Zürich entstehen innovative Produkte und Anwendungen, die vielen Menschen zu einem besseren Leben verhelfen. UZH-Forschende reichten im Jahr 2025 zahlreiche Patente ein, ausserdem entstanden vier neue Spin-offs. Dies führt zu einer exzellenten Erfolgsbilanz: Die Zahl an Ausgründungen aus der UZH seit 1999 beläuft sich damit neu auf 165 Spin-offs.
Der Schutz von geistigem Eigentum, das auf Forschungsergebnissen basiert, ist von grosser Bedeutung, da er oft den Weg für die Vermarktung von Innovationen ebnet. Das Innovationspotenzial der UZH wiederspiegelnd, konnten im vergangenen Jahr 23 Patent-, vier Markenanmeldungen und 57 Erfindungsmeldungen verzeichnet werden.
Nachfolgend stellen wir die vier neuen Spin-offs vor:
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Eviive: Entscheidungshilfen für Therapien gegen Krebs
Das Spin-off Eviive hat komplizierte Partikel im Visier: Extrazelluläre Vesikel sind schwierig nachzuweisen, winzig – und zugleich grosse Hoffnungsträger für Menschen, die unter Krebserkrankungen leiden. Sie werden als Botenstoffe von Zellen ausgesandt, um biologische «Nachrichten» zu übermitteln. Für Therapien gegen unterschiedliche Krebs- oder Tumorerkrankungen sind diese Informationen wertvoll, weil sie die Kommunikation zwischen Immunzellen untereinander oder zwischen Immun- und Krebszellen offenlegen können.
Das Team von Fachleuten unter Leitung der Eviive-Gründer und Immunologen Kevin Yim und Richard Chahwan entwickelt ein neues Verfahren, das dieses Vorgehen präzisieren und zugleich beschleunigen soll – auf der Basis von Forschungsarbeiten an der UZH und Erfahrungen, die während jahrelanger Kooperation mit dem Universitätsspital Zürich gesammelt wurden. Die Idee: Die Botschaften zwischen dem Immunsystem und Krebszellen zu entschlüsseln, soll dazu beitragen, die passendste Therapie für jeden Patienten zu finden – oder auch eine Antwort auf die Frage, ob eine einzelne Behandlung oder eine Kombination aus mehreren Therapien die beste Wahl ist.
EX3D: Hervortreten der Augen mit Smartphone messen
Die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow und andere Erkrankungen wie Tumore oder Gefässfehlbildungen können dazu führen, dass die Augäpfel hervortreten. Die Messung dieses Hervortretens ist wichtig für die Diagnose und Verlaufsmessung unter Therapie. Dafür wird in der Augenheilkunde seit über einem Jahrhundert auf der ganzen Welt das sogenannte Hertel-Exophthalmometer verwendet. Doch das klassische Gerät hat einen entscheidenden Nachteil: Es garantiert keine einheitlichen Messergebnisse. Die Resultate sind stark Untersucher-abhängig.
Hier setzt das Spin-off EX3D an: Es entwickelt eine App, die mithilfe von Smartphone-Kameras ein dreidimensionales Modell des Gesichts erstellt und daraus präzise Messwerte der Augäpfel ableitet. Konrad Weber, UZH-Professor für Neuro-Ophthalmologie und Leitender Oberarzt am Universitätsspital Zürich, hat das Verfahren in einer Studie mit einem professionellen 3D-Scanner verglichen. Das Ergebnis: Die Smartphone-Lösung erwies sich als ebenso präzise wie der rund 25’000 Franken teure Scanner und genauer als Messungen mit dem historischen Hertel-Exophthalmometer.
Nerai: Genetische Heilung mit Hightech-Verfahren
Die «Genschere», wie die CRISPR/Cas-Methode umgangssprachlich genannt wird, ist ein grosser Hoffnungsträger in der Medizin, unter anderem bei der Behandlung von seltenen Erbkrankheiten. Doch die Möglichkeiten dieses Verfahrens sind heute noch begrenzt – unter anderem, weil es nicht auf sämtliche DNA-Sequenzen zugreifen kann. Dieses Manko möchte das UZH-Spin-off Nerai Bioscience AG in absehbarer Zukunft beseitigen.
Das junge Unternehmen entstand, wie CEO Vincent Forster formuliert, «aus dem glücklichen Zusammentreffen» von Knowhow aus drei modernen Disziplinen, das die Spezialisten aus dem Labor von Gerald Schwank, UZH-Professor am Institut für Pharmakologie und Toxikologie, mitbrachten: Zum einen die «gerichtete» Evolution des sogenannten «CRISPR»-Editors mit hohem Durchsatz für eine massgeschneiderte Gentherapie, zum zweiten maschinelles Lernen und KI, um Editoren weiter zu verbessern. Und drittens Technologien, mit denen sie gleichzeitig für mehrere Krankheiten getestet werden können. Die Editoren von Nerai sind laut Foster nämlich so konzipiert, dass sie für mehrere Erkrankungen verwendbar sind – eine Strategie, die individuelle Therapien dereinst leichter zugänglicher machen könnte.
neurodAIgnostics: Kognitive Tests mit KI beschleunigen
Wie andere Zweige des Gesundheitssystems sind auch Psychiatrie und Psychologie überlastet. Betrug die Wartezeit für eine neuropsychologische Untersuchung im Jahr 2018 etwa vier Wochen, sind es heute oft schon Monate, die sich Betroffene gedulden müssen – einerseits wegen Mangels an Fachleuten und andererseits wegen zeitraubender Routinearbeiten. An diesem Punkt setzt das UZH-Spin-off neurodAIgnostics an, das im August 2025 gegründet wurde: Als Alternative zu weit verbreiteten kognitiven Tests mit Stift und Papier, die zum Beispiel häufig bei Demenz-Diagnosen verwendet werden, entwickelt das Team unter der Leitung von Nicolas Langer, Professor am Psychologischen Institut der UZH und Mitgründer von neurodAIgnostics, eine digitale Plattform, die solche Untersuchungen effizienter gestaltet.
Eigens entwickelte KI-Algorithmen helfen dabei, bewährte Arbeitsabläufe zu beschleunigen – eingebettet in intuitive mobile Anwendungen. Die Vorteile des Systems: Die Automatisierung der Bewertungen und der Berichte zu solchen Tests mindert den Zeitaufwand um mehr als die Hälfte und erschliesst zugleich neue diagnostische Möglichkeiten durch moderne Sensortechnologien.
Dies ist ein Auszug aus dem UZH News Artikel, der Spin-offs und Patente 2025 beleuchtet.
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